Skip Navigation

Chemie, 27.02.2017, 10:11

Vom industriellen Nebenprodukt zum hochwertigen Düngemittel: Neues Verfahren von thyssenkrupp ermöglicht kostengünstige Granulierung von Ammoniumsulfat

  • thyssenkrupp präsentiert neuen Anlagentyp auf der Nitrogen + Syngas in London
  • Mehr Kosteneffizienz im Vergleich zu konventionellen Verfahren

thyssenkrupp Industrial Solutions, die Anlagenbausparte des deutschen Technologiekonzerns, präsentiert in dieser Woche ein neues Verfahren zur kosteneffizienten Herstellung von Ammoniumsulfat-Granulat auf der Fachmesse „Nitrogen + Syngas“ in London. Mithilfe des neuen Anlagentyps wird aus dem Nebenprodukt Ammoniumsulfat ein hochwertiger, schwefelhaltiger Stickstoffdünger in Granulat-Form produziert. Für Düngemittelhersteller bietet das Verfahren erhebliche Vorteile: zum einen deutlich mehr Kosteneffizienz im Vergleich zu konventionellen Verfahren, bei denen Ammoniumsulfat-Granulat aus Ammoniak und Schwefelsäure hergestellt wird, zum anderen verbesserte Ausbringungs- und Mischeigenschaften gegenüber kristallinen Produkten.

„Bedarf an Ammoniumsulfat-Granulat gibt es auf der ganzen Welt“, erklärt Dr. Jens Mathiak von thyssenkrupp Industrial Solutions, der gemeinsam mit seinem Team den neuen Prozess entwickelt hat. „Wir wollen mit unserem Verfahren Düngemittelproduzenten die Chance geben, aus Nebenprodukten hochwertige Stickstoffdünger zu produzieren, die im Vergleich zu Standard-Produkten in kristalliner Form zu Spitzenpreisen gehandelt werden. Die vielen Vorteile der Granulat-Form und die hohe Gewinnmarge sind zwei wesentliche Gründe, um auf den Ammoniumsulfat-Prozess von thyssenkrupp zu setzen.“

Innovative Technologie wandelt Nebenprodukte in hochwertige Düngemittel um

Der neue durch thyssenkrupp patentierte Prozess vereint die Vorteile von hochwertigem Granulatdünger mit einer kostengünstigen Produktion. Am Anfang des Verfahrens steht der Ausgangsstoff Ammoniumsulfat, der als industrielles Nebenprodukt vor allem bei der Herstellung von Caprolactam sowie in Kohleöfen anfällt. Ammoniumsulfat wird in einem bestimmten Verhältnis mit einem Additiv vermischt. Die Verwendung des Zusatzstoffes führt dabei zu einer deutlich verringerten Staubbildung bei der Granulierung sowie zu einer hohen Druck- und Stoßfestigkeit des Endprodukts.

In einem zweiten Schritt wird die Flüssigmischung über eine Sprühvorrichtung in eine Fließbettgranulierungseinheit eingespeist und dort zu Feststoffgranulaten weiterverarbeitet. Das aus dem Granulator gewonnene Produkt wird einer Siebanlage zugeführt. Zu große Stücke werden zerkleinert und zusammen mit zu kleinen Körnern in den Granulator zurückgegeben. Anschließend wird das Produkt zur Lagereinrichtung transportiert. Die hergestellten Granulate sind rund und sehr hart und deshalb sehr widerstandsfähig gegen Stöße und Abrieb.

Ammoniumsulfat ermöglicht durch die gleichzeitige Zufuhr von Schwefel und Stickstoff einkräftiges Pflanzenwachstum und ein hohes Ertragsniveau. Es gewährleistet eine langanhaltende Nährstoffzufuhr und fördert die Verfügbarkeit im Boden enthaltener Mikronährstoffe wie Mangan, Bor und Eisen. Meist wird Ammoniumsulfat bisher in Formvon Kristallen vertrieben, was die Einbindung in granulierte Düngemittelmischungen erschwert. Konventionelle Granulationsanlagen sind nicht in der Lage, Ammoniumsulfat-Lösungen zu verarbeiten. Stattdessen benötigen sie vergleichsweise hochpreisigen Ammoniak und Schwefelsäure als Ausgangsstoffe.

Hohe Nachfrage verspricht gute Absatzchancen

Nach erfolgreichen Testläufen im Labor- und Technikumsmaßstab in den letzten Jahren baute thyssenkrupp im Jahr 2016 eine Pilotanlage mit einer Produktionskapazität von zunächst 500 kg pro Stunde. „Auch hier liefen alle Tests erfolgreich, sodass wir das neue Verfahren zukünftig im Großmaßstab mit Produktionskapazitäten zwischen fünf und 20 Tonnen pro Stunde umsetzen können“, erklärt Dr. Mathiak. „So können wir Düngemittelherstellern weltweit zu mehr Kosteneffizienz verhelfen. Ammoniumsulfat-Granulat wird darüber hinaus bisher nur von wenigen Anbietern hergestellt – die Nachfrage ist entsprechend hoch und Absatzmöglichkeiten sind auch in Nischenmärkten vorhanden.“

Über uns:

Die Business Area Industrial Solutions von thyssenkrupp ist ein führender Partner für Planung, Bau und Service rund um industrielle Anlagen und Systeme. Auf der Basis von mehr als 200 Jahren Engineering-Erfahrung liefern wir maßgeschneiderte, schlüsselfertige Großanlagen und Anlagenkomponenten für Kunden aus der Chemie-, Düngemittel-, Zement-, Mining- und Stahlindustrie. Als Systempartner für die Automobil- und Luftfahrtbranche sowie im Marinebereich entwickeln wir hochspezialisierte Lösungen für die individuellen Anforderungen unserer Kunden. Rund 19.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden an über 70 Standorten ein globales Netzwerk, dessen Technologieportfolio maximale Produktivität und Wirtschaftlichkeit garantiert.

Die Business Unit Fertilizer & Syngas Technologies realisiert seit mehr als 90 Jahren Großanlagen für die Düngemittelindustrie – von der Planung über Beschaffung und Bau bis hin zum umfassenden Service. Auf Basis einer einzigartigen Kombination aus Engineering-Erfahrung, Abwicklungs-Knowhow und führenden, umweltschonenden Technologien entwickeln wir maßgeschneiderte Lösungen, die Düngemittelherstellern weltweit zu mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit verhelfen.

Mehr Informationen unter: www.thyssenkrupp-industrial-solutions.com

Nach oben